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Glaubst du an uns, Utøya?

28. Oktober 2021



T: Ich war heute in der Großstadt, und ich kann meine wachsende Abneigung diesem Ort gegenüber spüren. Jedes Mal bin ich erleichterter, wenn ich wieder gehen darf, und jedes Mal fällt es mir schwerer, mich zu überwinden, in diese Betonkonstruktion ohne Grün hineinzufahren. Heute hatte ich das Gefühl, dass auch du nicht begeistert von Städten bist und dein Unmut zu meinem noch dazu kommt.

Utoya: In der Tat kann ich Städte nicht begreifen. Ihre Frequenz und meine beißen sich. Städte sind das Gegenteil von Ruhe, das Gegenteil von Natur, das Gegenteil von Balance. Kein Wunder werdet ihr darin verrückt und flüchtet, wann immer möglich, aufs Land. Man muss sich von jeder Form der Natur lossagen und die Verbindung zum wilden Anteil in sich selbst kappen, wenn man sein Leben in der Großstadt gestalten will. Und welchen Sinn hat das? Übrig bleibt eine gezähmte Seele in gezähmten Räumen, die gezähmten Tätigkeiten nachgeht. Was der Hund zum Wolf ist, das ist die Stadt zum Umland – eine abgeschwächte Kopie, so nicht erdacht von der Natur. Etwas Menschengemachtes.


T: Da hast du wohl recht. Über welches Thema möchtest du heute sprechen? Ich habe in der kurzen Zeit so viel Faszinierendes von dir gelernt. Unerwartet, wie so oft.

U: Nun, wenn Menschen immer nur das geschehen würde, was sie von langer Hand erwartet haben, wäre ihr Leben ganz schön leer, nicht wahr?

T: [lacht] Das ist wohl wahr. Also ... überrasche mich.

U: Das will ich tun. Du weißt gar nicht, wie wichtig es ist, dass ihr euch ab und zu OHNE Vorerwartungen öffnet und überraschen lasst. Da euer unbewusster Wille alles lenken kann, ist er der größte Verhinderer von spontaner Magie in eurem Leben. Von Wundern am Wegesrand. Ihr solltet so viel öfter etwas beginnen, ohne einen Plan zu haben. In eine Richtung fahren, ohne einen Plan zu haben. Du kannst sogar sprechen, ohne einen genauen Plan zu haben – wichtig ist dann nur, dass du dich von Empathie leiten lässt, denn sonst könntest du Leute beleidigen oder verstören. Planende Menschen planen sich nicht nur häufig in Sackgassen hinein (aus denen wir ihnen dann nicht helfen dürfen, weil sie nicht glauben, dass divine interventions/ göttliche Eingriffe existieren), sie planen sich vor allem den langweiligsten aller möglichen Wege, weil Alles-was-ist endlose Kreativität besitzt ... und euer Wachbewusstsein nicht. Dein Wachbewusstsein hat KEINERLEI Möglichkeit, deinen Weg so zu beschreiten, wie Spirit ihn dir ermöglichen kann. Deshalb ist das Leben der Menschen, die alles für möglich halten und die das Wunder des Lebens verstehen, tatsächlich magisch. Es ist überraschend, reich und angefüllt mit wohlwollenden Zufällen. Das alles bedeutet Glauben. GLAUBE, dass das Universum auf deiner Seite ist, denn das ist es! Glaube, dass du einen positiven Unterschied machst an jedem Tag deines Lebens. Denn nur, wenn du das weißt, wird dir auch klar, dass du in ebenso großem Maße einen negativen Unterschied machen kannst. Indem du die Umwelt nicht respektierst oder deine Mitmenschen oder Spirit.


T: Glaubst du noch an uns Menschen?

U: Das muss ich nicht. Ich sehe euch Menschen. Ich sehe, dass es für jeden Breivik auf der Erde hunderttausende gibt, die seine Bösartigkeit betrauern. Ich sehe, dass es für jeden Despoten oder Diktator hundert hohe Tiere in einem Staat gibt, die es eigentlich besser machen wollen.


Ich habe keinerlei Veranlassung, den Menschen die Fackel zu tragen. Ich muss einfach nur warten, wie euer momentanes Spiel ausgeht. Entweder ihr wascht euch gegenseitig die Flausen aus den Köpfen und reißt euch zusammen, oder eure »Runde« im ewigen Spiel wird durch euch selbst beendet. Ich muss nur daneben sitzen und zusehen, genau wie alle anderen Götter. Und nach jeder Runde werden wir euch wieder fragen, ob es das wert war. Ob das Geld es wert war, euer Umfeld zu zerstören. Ob die Macht es wert war, dass ihr euch gegenseitig vernichtet körperlich. Jedes einzelne Mal, wenn die gescheiterte Menschheit nach Hause kommt, sind wir da und fragen euch: Habt ihr etwas gelernt?


T: [Kloß im Hals] Und was antworten wir dann?

U: Ihr seid dann immer erschrocken, wie ihr so weit vom ursprünglichen Kurs abkommen konntet. Jedes Mal wieder. Die Sache hat mittlerweile eine gewisse Regelmäßigkeit. Atlantis ist ja immer nur das prominenteste Beispiel vieler, vieler gescheiterter Spielrunden der Menschheit. Es gab davor einige, und es gab danach viele Zivilisationen, die sich selbst gekillt haben. Kleinere und größere.

Aber dieses Mal ist etwas anders. Denn diese Runde ist die letzte. Wir wollen das alte Spielbrett zur Seite legen und ein neues Spiel spielen. Eines mit feineren Regeln. Eines nicht für Dreijährige, mit grob geschnitzten, klotzigen Figuren, sondern eines für Erwachsene mit feinen Details.

Und jeder Mensch, der heute auf der Welt herumgeht und einen tiefen Seufzer ausstößt, weil das alte Spiel keinen Sinn mehr macht und frustrierend geworden ist, der ist bereit für das neue Spiel. Und am Ende ist das alles, was zählt. IHR wollt das alte Spiel fortlegen. Ihr seid gewachsen, und ihr habt das Spiel für Dreijährige satt. Wie lange wir darauf warten mussten, und welchen Stolz uns das ermöglicht, könnt ihr mit euren kurzen Jahren und kleinteiligem Bewusstsein kaum erfassen.

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