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Smalltalk mit Gott


28.12.2020


Anknüpfung an letzten Post - Smalltalk mit Gott


T: Mir fällt gerade etwas Interessantes auf. Ich höre ja gerade Walschs »Friendship with God« und habe drüber nachgedacht, wie das Buch entstanden ist. Scheinbar musste sich der Autor FÜR EIN ANDERES BUCH an eine Danksagung setzen und dachte, er sei in 15 Minuten damit fertig. Aber es war dann doch nicht ganz so, denn die Sache wurde immer länger und länger und plötzlich bekam das »Kind« auch noch einen Namen und so weiter. Es ist also nicht so, dass der Impuls von euch ausgeht. Nicht einmal bei jemandem, der schon tausende Seiten in eurem Namen geschrieben hat!

M: Korrekt. Wir hatten das Thema schonmal, aber lass es uns dennoch ausführen. Das ist dir wichtig.

T: Natürlich. Weil ich das Gefühl habe, ich mache etwas falsch, wenn ich einfach mit einem Satz einsteige, wie es mir geht oder was mir heute »zufällig« passiert ist. Es scheint für mich dann so, als hätte ich das Thema des Tages gesetzt und nicht ihr. Als wolle ich Gott das Thema vorgeben. Die allgemeine Erziehung lautet so, dass man das tunlichst vermeiden sollte.


M: Und ich habe dir gesagt, dass unsere Nachrichten auf Wellen reiten, die schon vorhanden sein müssen. Eine Nachricht ist wie ein Surfboard – und im Falle vieler Menschen liegt dieses Surfboard leider leider in der Wüste.

T: Oha. Ein trauriges Bild.

M: Ich kann es leider nicht ändern. Schau mal, ein Priester – wenn er halbwegs all seine Sinne beisammen hat – würde nicht zu jedem auf der Straße hingehen und lospredigen. Die Leute sind beim Einkaufen, holen ihre Kinder ab oder eilen zu einem Termin. Es ist sinnlos, sie dann anzusprechen, selbst wenn sie dem Priester und seiner Nachricht grundsätzlich gewogen sind. Im Immobilienmarkt sagt man, drei Dinge zählen für den Erfolg eines Deals ...

T: Location, Location, Location.

M: Genau. In unserer Kommunikation gibt es auch drei goldene Regeln: Timing, Timing, Timing!

T: Hihi. Diese drei Regeln sind eine. Sehr göttliche Art der Darstellung.

M: Danke. Natürlich können wir dein Tun unterbrechen und dich vom Blitz der Erkenntnis treffen lassen und mit donnernder Stimme einen Satz verkünden, der dein Leben ändert. Aber das kostet Energie und es beugt ein paar Regeln, die wir selber aufgestellt haben! Und außerdem: Du glaubst doch nicht, dass ich nicht theoretisch von jedem Thema, das du anreißt, zu einem anderen überleiten könnte, ohne dass du es merkst. Oder?

T: Touché.

M: Na also. Warum sorgst du dich? Außerdem gibt es ja keine Zufälle. Der Gedanke, mit dem du an den Schreibtisch kommst, ist schon passend, sonst wäre er dir entfallen. Die Erlebnisse des Tages sind geschehen, damit du daran denkst, und bleiben in deinem Hirn haften, damit du sie hier ansprichst.

T: Das bedeutet im Grunde, dass ich zwar das Thema anschneide, aber nur, weil ihr mich in etwas hineingesteuert habt. Mir einen Satz aus Hörbüchern, Filmen, dem Internet serviert habt.


Die Formen dieses Manuskripts

M: Ja, so ähnlich. Wir brauchen das meist nicht tun, weil du das für dich selbst tust. Deine Seele weiß ja, wie der Plan aussieht. Deine Seele hatte dieses Buch [Anm. 2022: Dieses Interview wird ca. 2022/2023 unter dem Namen »Das Wissen der Muse« im Handel erscheinen] in den Händen, bevor du zum ersten Mal über die Möglichkeit nachgedacht hast, es zu verfassen. Bevor du schreiben gelernt hast. Bevor du geboren wurdest.

T: Uff.

M: Du hast dich heute sogar selbst daran erinnert, dass du dieses Werk(!) schon mehrmals in deinem Leben angefangen hast! Es hatte leicht andere Namen, aber ähnliche Zielgruppen und den gleichen grundsätzlichen Zweck.

T: Das ist richtig. Das Hörbuch hat auch dies bei mir ausgebuddelt. Ich habe schon vor vielen Jahren ein Buch begonnen, dessen Arbeitstitel lautete: »Warum Glauben nicht sinnlos ist«. Mein Ansatz darin war, dass es eigentlich völlig egal ist, WAS oder an wen man glaubt, solange man sich ein Netz aus Grundsätzen schafft, das im Ernstfall zum rettenden Sprungtuch werden kann. Quasi ein spirituelles »Sorge zeitig vor, dann hast du in der Not«. Völlig losgelöst von Namen und Religionen und Titeln und allem.

M: Wäre ein gutes Buch geworden.

T: Hm, dieses hier gefällt mir besser.

M: Weil es noch höher ansetzt. Auch das Buch danach wäre interessant geworden, aber auch da hast du nach dem Niederschreiben der Grundidee nicht weiter gemacht. Das ist keine Kritik. Ich kann dich dafür nicht kritisieren, weil ich dich gestupst hätte, es zu schreiben, wenn es hätte fertig werden müssen.

T: Wie bei »Der Kuss der Muse«.

M: Korrekt.

T: Das zweite Projekt, das ich immerhin noch nicht ganz aufgegeben habe im Geiste, heißt: »Entdecke dein Buch!« Es richtet sich explizit an entdeckende, nicht-planende AutorInnen, für denen auf dem Sachbuchmarkt absolute Ebbe herrscht. Wie soll man auch erklären, wie man in seinen persönlichen Flow kommt?


Die Künstler bleiben in der Pandemie auf der Strecke

M: So, wie wir es hier tun, ganz recht. Aber die Zielgruppe war zu klein. Unser jetziges Werk spricht jeden Menschen an, fast egal, welches Thema er (v)erarbeiten möchte. Den großen Block der Trauer haben wir fast ganz ausgespart, denn dazu gibt es Gottlob mittlerweile hervorragende Bücher dort draußen. Aber die Künstler? Die sind weiterhin ziemlich allein gelassen, ich sage es noch einmal sehr deutlich.

Ihr reitet meine Kinder zuschanden, die euch jeden Tag Rettungstücher knüpfen, mögen ihre Finger bluten und ihre Kamine erkalten.

T: [schnieft] Du hast es wieder geschafft. Ich habe sofort Tränen in den Augen gehabt bei diesem Satz.

M: Weil ich die Wahrheit spreche, und jedermann weiß es.

[London Grammars »Truth is a Beautiful Thing« spielt.]

T: Du hast recht. Was kann ich dir sonst sagen, du hast recht. So viele Künstler haben in diesem furchtbaren Jahr ihre Existenz verloren.

M: Ja, aber wenigstens nicht gänzlich unbemerkt. Wenigstens das. Die Künstler verlangen ein besseres System wie zum Beispiel das Grundeinkommen. Sie sind eine treibende Kraft. Sie mussten leider aus ihrem – ohnehin leider viel zu PLANvollen – Schaffen gerissen werden und von ihrem Schreibtisch aufschauen, um diese Änderung zu verlangen. Nachfragedruck, erinnerst du dich? Gerade Künstlern muss man leider viel entziehen, bevor sie Stift und Pinsel hinlegen, aufstehen und laut werden. Denn sonst beschäftigen sie sich einfach stur weiter mit ihrer Kunst, was ja eigentlich toll ist! Es musste also leider so kommen. Ich habe mein Heer auf euch gehetzt, weil ihr es sonst nicht verstehen werdet. Alleine wird aber selbst mein Heer es nicht schaffen, das System zu ändern. Denn es muss ja runderneuert werden. Wir sind lange vorbei an dem Punkt, an dem ein Unterstützungssystem für Künstler alles ist, was wir/ihr erreichen wollen und müssen. Das Problem betrifft ja auch die Alten; die Pfleger von Kindern, Senioren, Kranken, Beeinträchtigten und Tieren, die »aus dem System gefallenen« und die Armen. Das Problem von Wert und Lohn und Geld und Anerkennung ist immer und überall präsent.

[Timer abgelaufen.]

Man könnte eine eigene Buchreihe aus diesem Thema machen, weswegen wir jetzt hier schließen.

T: Ich danke dir, meine Teuerste. Wie immer.

M: Und ich habe wie immer gerne mit dir geredet. Bis morgen.

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