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Warum Tierköpfe?


15. November 2021


T: Guten Abend, Herr der Gegenwelt Anubis. Es gibt echt grauenhafte Bilder von dir

online, muss ich leider sagen. Und warum ein Totengott einen Sixpack braucht, habe ich auch nicht so richtig verstanden.

HG: Glaub mir, unter den Göttern komme ich sogar noch relativ gut weg. Da gibt es ganz andere. Denk an Cernunnos! Der arme Kerl wird halb als Ziegenbock dargestellt, gute Güte.

T: Hast du das mit dem Schakalkopf selbst so gewählt oder wurde dir das auch aufgedrückt?

HG: Das haben wir so vorgegeben. Also auch Bastet, Sutekh/Seth und die anderen. Hätten wir menschliche Köpfe, hätte immer irgendjemand eine Möglichkeit gefunden, die Bildnisse für seine Zwecke einzusetzen. Hätten wir blaue Augen vorgegeben, wären blauäugige Leute als besser angesehen worden. Hätten wir besonders helle Haut gezeigt, hätte jemand daraus geschlossen, dass dunkle oder sonnengebräunte Haut schlecht ist. Also haben wir uns so beholfen. Wir sind ja nicht das erste Pantheon, das diesen Trick anwendet.

T: Aber das Bekannteste.

HG: Der Schakal hat außerdem selbstredend einiges an Symbolik zu bieten. Da sie Aas nicht verschmähen, sind sie selbst natürlich eine Art Totengräber. Sie kümmern

sich um das, was übrig bleibt. Was für ein treffendes Bild für mich, auch wenn ich ja nur relativ wenige Seelen ein Stück weit begleite. Der größte Teil geht sofort über ins Licht, so wie es sein sollte. Und Alles-was-ist ist froh über jede Seele, die mich nicht treffen muss. Das hat nichts mit Neid zu tun, warum auch? Ich bin wie der Lehrer, der Aufsicht halten muss beim Nachsitzen. Ich bin froh über jeden, der nicht da ist.


[Ich versuche, ihm durch Konzentration noch weiter entgegenzukommen. Ein sinkendes Gefühl entsteht in meinem Brustkorb und ich muss husten. Es fühlt sich lichtlos an, aber dennoch geborgen, wie wenn man sich im dunklen Zimmer ins Bett legt.]

HG: Nicht. Komm mir nicht so weit entgegen. [Er hebt meine Energie wieder ein Stück an und holt mich aus der Konzentration.] Du wirst dich schädigen, wenn du das weiter versuchst. Das ist nicht in meinem Sinne. Ich komme dir in einem hohen Maße energetisch

entgegen, damit wir sprechen können, und so herum ist es gut.

T: Ich kann damit meine Gesundheit gefährden, oder?

HG: Ja, ziemlich schnell sogar. Dein Wohlbefinden ist für mich ein feiner Gradmesser, wie lange wir uns noch unterhalten können. Würde ich entdecken, dass ich zu viel von dir verlange – gerade im Blick auf deinen Wunsch, dass ich bis zum Ende des Jahres bleiben soll – dann würde ich den Kontakt nicht wieder zustande kommen lassen.

T: Du würdest mich ghosten? (Neudeutsch für Beziehungsabbruch ohne Erklärung, sich komplett in Luft auflösen)

HG: Zu deinem Besten? Aber selbstverständlich. Obwohl ich noch viel zu sagen habe und meine Chance selbstredend nutzen möchte.

T: Ein bisschen kratzt das an meinem Ehrgeiz, ich gebe es ehrlich zu. Als Mensch, so wunderbar ausgestattet mit quasi-freiem Willen, bin ich es gewöhnt, meinen Willen auch zu bekommen. Da tut es weh, wenn du sagst, ihr könnt den Kontakt jederzeit beenden.

HG: Nun, wir sind immer noch Götter. Und auch wenn wir sehr viel weniger können, als ihr gemeinhin annehmt, so können wir doch entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken. Andersherum würdest du eine der Mächte werden, von denen ich gestern sprach. Zu einer mächtigen Hexe, die sich Energiewesen gefügig machen kann. Ich darf dir

versichern, DAS ist ein todsicherer Weg in den Abgrund.

T: Dann will ich selbstredend zufrieden mit mir und meinen Fähigkeiten sein. Ich werde weiter an dieser Einstellung arbeiten. Kann ich dich bitte etwas fragen?

HG: Natürlich.

T: Als ich in Ägypten gelebt habe, im Tempel, da war ich mindestens ein mal dem Gott Sutekh/Seth unterstellt, richtig?

HG: Das ist richtig. Der schweine- oder kuhnasige Gott hatte damals keine große, aber immerhin eine devote Anhängerschaft.

T: Ihr seid mir ja ein schönes Duo! Der eine mit Schakalkopf, Gott des Todes, und der andere mit dem Kopf eines Erdferkels(?), einer Antilope oder eines Fabelwesens, zuständig für Gewalt und Chaos? Du liebe Güte!


HG: Das Sha ist mittlerweile ausgestorben, aber es existierte mal. Stell dir einen Hund mit langen, aufrecht stehenden Ohren vor, aber mit der großen Schnauze einer Kuh, dann kommst du ziemlich gut hin.

Da von der Schnauze nichts bleibt, was Archäologen ausbuddeln können, und niemand jemals ein Sha einbalsamiert hat, könnt ihr deren Knochen nicht von denen eines Wildhundes unterscheiden. Und was ihr nicht zusammenpuzzeln und ausstellen könnt, das existiert für euch nicht. Im Übrigen kannst du an der positiven Arbeit, die ihr im Tempel meines Bruders geleistet habt, die ungefähre Zeit ausmachen, zu der du mit vertrauten Seelen dort warst. Also, du könntest es, wenn du dich tief in das Thema hineingräbst oder einen Experten zurate ziehst.

T: Gemein.

HG: Was würde dir diese Information schon nützen? Nicht nur eure Ägyptologie ist ein unaussprechlicher Brei aus Halbwahrheiten und Falschauslegungen der Ausgrabungen, und über eure Zeitrechnung beschweren wir uns ja öfter mal. Ergründe lieber, was du damals alles ergründet und gelernt hast, und warum Set dafür der ideale Gott war. Damit kommst du wirklich weiter.


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