top of page
vibrant-1617470_1280.jpg
vibrant-1617470_1280.jpg

Wein, Weib & Gesang



02. März 2021


[Ich gehe an den üblichen Treffpunkt mit Cernunnos im Wald, Er sitzt auf dem Wurzelballen eines riesigen Baumes – wie immer.] T: Da bist du ja wieder.

C: [lächelt] Da bin ich.

T: Deine Schwester?

[Ostara erscheint neben ihm.]

T: Ihr sehr so schön zusammen aus.

C: So wie jetzt ist alles perfekt. Spinnen weben Menschenträume in mein Geweih, und meine Schwester tanzt mit mir durch das grüne Nichts.

T: Wunderschön. Müsst ihr denn irgendwann gehen? Eure Schwingung ist meiner so ähnlich; ich habe Angst, dass eure Energie aufgebraucht wird, und ihr vergeht. Wie Jormungandr damals.

C: Einerseits ist deine Furcht berechtigt, denn wir sind ja wahrlich nur Teile. Splitter. Aber das bist du auch. Sorgt dich das so oft?

T: Nein, eigentlich nicht.

C: Siehst du, uns auch nicht. Wie wir erklärt haben, kommt außerdem sofort ein neuer gebündelter Energieschwall. Ein Päckchen sozusagen. Wir sind zwar vergänglich wie ein Kammerkonzert, aber das verändert die Sinfonie doch nicht. Das Einzige, was an unserer Existenz »schade« sein kann, ist, wenn wir vergehen, ohne dass uns auch nur ein Mensch gehört oder gesehen hat.

O: Oder mit uns getanzt. Oder von uns gelernt.

T: Verbraucht ihr eigentlich Energie, wenn niemand da ist, mit dem ihr redet?

O: Das, meine Liebe, stellst du dir zu simpel vor. Es ist NIE niemand da, den wir uns als Gesprächspartner vorstellen könnten. Wir üben die Ansprache an euch täglich. Unter euch hören nur viel zu wenige zu.

T: Ihr seid so poetisch heute, wir sollten öfter zu dritt sprechen! Ich liebe es!

O: Du solltest uns mal erleben, wenn wir noch ein paar Musen zu Gast haben.

T: Also stimmt es wirklich, was auf alten Bildern immer zu sehen ist. Ihr feiert rauschende Feste.


O: Wir feiern die Schöpfung. Jeden Tag eigentlich, wir können gar nicht anders. Es ist unsere Frequenz. Allerdings seid ihr meist nicht zugegen. Und wie sollten sich die alten Meister behelfen, die Stimmung auf einem unserer Feste einzufangen, ohne Wein und Nacktheit mit darzustellen?

C: Der Trick ist doch: Was wir bieten, fühlt sich noch wesentlich BESSER an als Wein und Sex. Erstens, weil das größte erregbare Organ das Gehirn ist, und zweitens weil es dir in unserer Welt überhaupt nichts nützt, barbusige Frauen mit Kelchen in den Händen zu treffen. Du kannst von ihrem Wein nicht trinken und ihre Brüste nicht streicheln, tut uns leid. Wenn du aber deine Fantasie ein wenig trainierst, kannst du dir VORSTELLEN, all dies zu tun. Und egal, was verschrumpelte Kirchenmänner dir darüber sagen, wir gönnen euch diese Pause von Herzen. Natürlich wünschen wir uns, dass in eurer körperlichen Existenz Wein und Speise zugegen sind, aber das war geschichtlich eben nicht immer gegeben. Umso wichtiger, dass du jederzeit einen Ausflug in unser Paradies machen kannst, wenn du dein Innerstes schulst! Das große Paradoxon ist, dass ihr unser Paradies immerzu sucht – euch unterwegs noch dutzende Male selbst dafür scheltet, dass ihr uns sucht – und wenn ihr hier seid, begreift ihr erst, dass unser Wein nur Symbolik ist.


T: Eigentlich müsste mir das klar sein, aber ihr erklärt das so faszinierend. Ich hoffe, ich bin euch eine gute Schülerin, und ich möchte noch so viel mehr wissen.

C: Das Wichtige ist doch, dass wir euch diese Pause – dieses innere Fest – gerne bereiten. Wir verstehen doch, dass ihr eine Pause von der Dualität braucht! Aber: Noch viel lieber möchten wir euch lehren. Und lehren kann man am besten die Schüler mit vollem Magen und sicherem Dach über dem Kopf. Deshalb ist KEINE Zeit so gut geeignet zum Lehren »neuer« (vergessener) Konzepte als die eure. Ihr seid so satt, dass ihr vom Überangebot bereits gelangweilt seid. Ihr seid so umgeben von Wein, Weib und Gesang, dass ihr euch freiwillig zurückzieht, um zu atmen. Der große, große Vorteil deiner Zeit ist, dass ihr alles habt ... außer uns. Und das spürt ihr. Nicht bewusst. Nicht im Alltag. Keiner von euch bleibt auf der Straße plötzlich stehen, schmeißt seine Aktentasche von sich und ruft: »Mir fehlen die Götter in meinem Leben!«

O: [kichert] Schön wär’s allerdings.

C: Ihr spürt es unterbewusst. Ihr sucht etwas, und das Außen sagt euch: »WAS! WAS kannst du suchen, du sattes, bequem sitzendes, gewärmtes Wesen?!« Und immer mehr unter euch sagen: »Ich will endlich .... endlich etwas tief in mir fühlen!«


T: Ich will meine Götter zurück. Ich will, was man mir gestohlen hat durch die Geburt in einem Land, das offiziell auf kein heiliges Buch schwört und doch zerfressen ist vom Hass falscher Priester. Ich will die Hexen und Priesterinnen zurück, die verstanden, was Erde und Himmel zusammenhält. Ich will .... ich will das Buch verfluchen, das so viel Leid über die Welt gebracht hat, aber ich kann nicht.

C: Weil du verstehst, dass das Buch nie das Problem war. Bücher können nicht das Problem sein, sie sind – trotz allem – nur Papier. Das Problem ist der Mensch, dem es in die Hände fällt. Aber auch den Büchern seid ihr jetzt müde geworden. Zurecht. Das Buch kann dir immer nur Beispiel sein. Immer. Erleben musst du dein Universum schon selbst. Wer dich dabei an die Hand nehmen darf, ist da bereits zweitrangig. Wir stehen allerdings in den Startlöchern und würden uns freuen, wenn wir es sein dürfen. Die große Magie kann erst stattfinden, wenn jeder seine Ansprache wiedergefunden hat. Wenn jeder sein Lieblingswort für Alles-was-ist ausgegraben hat aus dem Sand der Zeit. Du hast sie gefunden. Du rufst die Harpyie zu dir und die Elfen und Jormungandr und uns. Aber viele Millionen Menschen auf eurem Planeten haben dies nicht. Ihnen fehlt das Vokabular, das sie befreien wird.

T: Ich habe mich neulich wieder an diesen Satz erinnert, den ich mal geschrieben habe.

C: Ganz genau.

T: »Finde DEIN Wort. Das Wort für das, was du bist. Denn es wird dich befreien.«

C: Du hast dich damals auf Hochsensitivität bezogen, aber für Spiritualität passt es noch hundert Mal besser.

T: Danke. Danke, danke, danke, ihr beiden.

10 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page