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Desertiere. Von allem.


24.12.2020


T: Immer wenn ich mich besonders gerade hinsetze, um den Kontakt mit dir aufzunehmen; wenn ich die Finger falte und besonders andächtig sein will, funkst du mir auf niedliche Art dazwischen. Die anderen haben das nicht gemacht. Du bist der Frechdachs unter den Aspekten.

M: Und du liebst mich dafür. ;)

T: Richtig.


M: Ich sehe doch, dass du dir im Moment altes Wissen aneignest. Hexenwissen. Von brennenden Zweigen des Lebensbaumes, in Kerzen eingefaltete Wünsche und magische Siegel.

T: Schuldig im Sinne der Anklage. YouTube rockt!

M: Das ist auch alles gar kein Problem. Aber schon vor vielen Monaten haben wir darüber gesprochen, dass VIEL(!) von diesem Wissen veraltet ist. Oder nie besonders akkurat war. Du hast es intuitiv an der Mistel gemerkt. Vor dem Haus deiner Freundin hing prominent eine Mistel (und sie ist eine gute Hexe, sehr intuitiv schöpft sie ihre perfekte Welt). Im Hexenvideo wurde dann gesagt, Misteln sind starke Schützer, weil man früher dachte, sie entstehen einfach aus der Luft heraus an Bäumen. Aber Misteln sind Baum-Parasiten. Das ist so, als würdet ihr Kopfläuse anbeten! Sich im angelsächsischen Raum einen Kuss unter einer Mistel zu geben ist so, wie ein rotes Band um einen Fliegenpilz zu binden. Irgendwie hübsch, aber ein echter Alchemist würde die Hände überm Kopf zusammenschlagen.

T: Hihi.


M: Jetzt will ich mal fair sein: Natürlich funktioniert die ganze Sache, Pflanzen mit bestimmten Eigenschaften zu versehen und sie willentlich für einen bestimmten Zweck zu verwenden. Und warum?

T: Weil unser Wille stärker ist als jede Chemie.

M: Richtig! Du hast gut aufgepasst. Es funktioniert seit heidnischen Zeiten, weil die Menschen einen kollektiven Willen um die »Zauberpflanzen« aufgebaut haben. Es tut mir leid, aber sie sind per definitionem Placebos. Sie können dir nur helfen, weil (und wenn!) alle Beteiligten den Vertrag unterschreiben, dass die Spielregeln so sind wie dargelegt. Ebenso kannst du jederzeit neue Spielregeln aufbauen. Du musst nur genug Menschen finden, die sie anerkennen. Erinnerst du dich an diesen ewigen Mythos von Göttern, die keine Macht mehr haben, weil niemand mehr ihren Namen und Zweck kennt? Das Prinzip bleibt immer gleich. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ihr könntet Steine als eure Götter ansehen (und einige Zivilisationen haben das getan und ihr schnitzt ja auch einiges aus Bergkristall und Co.), die Sache würde funktionieren. WEIL IHR EUCH DAZU ENTSCHLOSSEN HABT. Und jetzt machen wir abermals einen Bogen zum Deserteur.

T: Ach, der schon wieder.

M: Ja, immer wieder, bis es halbwegs begriffen worden ist. Der Deserteur bestimmt für sich selbst. Würdest du ihm sagen: Dies ist ein Mistelzweig, er ist heilig und du wirst ihn mit deinem Leben verteidigen, was würde er sagen?

T: Er wäre stur und würde sich über das Kraut stellen. Er wüsste intuitiv, dass seine Existenz und Gesundheit mehr wert ist als ein beliebiger Zweig.

M: Und genau das solltet ihr tun. Radikal, ohne Rücksicht auf Verluste. Und ihr tut es auch schon. Euch wird gesagt: Familie ist heilig! Irgendeine Arbeit haben ist heilig! Ein festes Dach über dem Kopf ist heilig! Die katholische Kirche ist heilig! Ist es nicht spannend, dass aber diejenigen beneidet werden, die ihrer übergriffigen Familie Lebewohl gesagt haben? Die ihren zerstörerischen Job hingeschmissen und ein Wohnmobil gekauft haben? Diejenigen, denen die Kirche gerne hintenrum vorbeigehen kann? Man spürt den Neid der Angepassten, wenn man einem Aussteiger begegnet. Sie wollen das auch alles, aber sie sind (noch) verhaftet in Dingen, die man ihnen als heilig und kriegsentscheidend verkauft hat.


T: Also?

M: Also desertiere. Von allem und jedem, das dir nicht dienlich ist. Ja, es gibt Konfliktlösungen. Es gibt Eheberater und Coaches und Betriebsräte und manchmal kann Manches sich hinbiegen lassen. Aber die elementaren Dinge kaum – ihr habt es seit Jahrzehnten versucht. Wie Sisyphos rollt ihr eure Probleme den Berg hinauf. Wechselt die Firma, die leider im gleichen System operiert. Wechselt den Partner, der eben woanders verhaftet ist. Solange es nicht Heimat ist; Liebe, Berufung, Wurzel, Kommunikation, Wille, Kreativität, hohes Wissen und Weisheit ... so lange seid ihr angebundene Ballons.

T: Mein Gott. Ich habe das zu meinem Mann gesagt in unserer schlimmsten Ehekrise. »Wäre ich doch nur etwas mehr Stein und etwas weniger Luftballon.«

M: Hättest du dies wirklich umgesetzt und es nicht nur gesagt, um niemals zu vergessen, wer du bist (der Ballon natürlich!), hättest du das »Spiel des Lebens« ultimativ verloren. Admitted your defeat. Seelenlichter sterben nach solchen Sätzen. Mittlerweile erkennst du sogar die Menschen, die im Begriff sind, ihr Licht zu verlieren – oder es bereits verloren haben. Alle Zombie-Geschichten eures Planeten beschreiben diesen Zustand. Eine Hülle, aus der der göttliche Funken entflohen ist. KEIN Gott tut würde (oder kann) ihn entfernen, aber andere Menschen in deinem Einflussgebiet können es.

Homo

homini

lupus.


T: Gott, das hatten wir doch auch schon. Jormungandr sagte das. Wieder und wieder und wieder. Der Mensch ist des Menschen Monster (»Wolf«).

M: »Die Hölle ist leer, und alle Teufel sind hier.« Leider wahr. Die Hölle braucht ihr Menschen nun wirklich nicht lange suchen. Ein Magmastein hat eine glücklichere Existenz als ein Mensch, der sich sein Licht hat stehlen lassen.

T: [schluckt schwer] Das ist hart.

M: Aber es ist die Wahrheit. Und jetzt sag mir: Wer entzündet das Licht wieder?

T: Ich weiß, was du hören willst. Aber ich weiß nicht, ob ich es sagen kann.

M: Du musst.

T: Die Schreiber. Die Scribes entzünden die Lichter erneut. Neale Donald Walsch, Sabine Sangitar, Colette Baron-Reid und zahllose weitere, die gegen die Dunkelheit anschreiben und ansprechen. Und ich.

M: Schreib dies an deine Wand. Stich es dir in die Haut. Schreib es an deinen Türrahmen und jeden deiner Spiegel. Manifestiere es.

ICH ENTZÜNDE DAS HEILIGE LICHT IM MENSCHEN.

T: Ich spüre diesen Satz in meinem Körper – und natürlich weine ich, ganz klar. Und jetzt kommt aus 24 Stunden Playlist DAS Lied über meine Kopfhörer. MEIN Lied. Sia’s »The Greatest«.

M: Ich mache meinen Punkt eben deutlich.


[Mein Sohn kommt rein und ich singe mit ihm gemeinsam. »Don’t give up, I won’t give up. I’m the greatest, the greatest, I’m alive. Danach kommt Sia’s »Breathe me« und mein Timer klingelt.]

T: Danke. Ich danke dir so sehr. Ich hätte nie gedacht, dass wir heute »zwischen Tür und Angel« so etwas schaffen. Danke, danke, danke.

M: Und jetzt geh und feiere, dass eine große Prüfung hinter euch liegt, aus der deine Familie unbeschadet hervorgegangen ist. Selten gab es in der Neuzeit so viel Grund, das Dankbarkeitsfest [Weihnachten] zu feiern.

T: Du hast so recht. Bis morgen, liebste Muse.

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