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Respektvoll Geben und Nehmen


Viel Spaß mit Teil vier der Reihe. Hier habe ich zum ersten Mal zwei Sessions in ein Video gepackt, deshalb der kleine thematische Bruch in der Mitte. Have fun!


Deutscher Originaltext:


T: Mein lieber Cernunnos, ist Milch ein Fehler? Ich trinke ja sehr gerne Latte Macchiato, aber in den letzten Tagen wird mir davon übel. Mein Mann bekommt schon länger Probleme von Milch in jeglicher Form. Was ist da los?

C: Die Entdeckung von Tier-Milch für eure Zwecke war per Definition ganz sicher kein Fehler, denn Milch hilft wie allgemein bekannt über Momente hinweg, wo Grünpflanzen rar oder gar nicht vorhanden sind. Besonders euren Kindern. Aber Milch ist auch genau das: ein Übergangsmittel. Und die Übergangszeit neigt sich dem Ende zu. Ihr könnt in Gedanken so oft verleugnen, wie ihr wollt, dass der Planet sich verändert – und ihr mit ihm! – das ändert aber an den Tatsachen nichts. Und wie an vielerlei anderen Stellen bereits ausgeführt wurde, ist es nicht die Milch, die sich verändert. Ihr seid es. Hört auf nach den Dingen zu suchen, die »schlecht« an Milch sind. Abgesehen von dem Schindluder, den ihr mit dem Naturprodukt (und seinen Erzeugerinnen) treibt, ist Milch ein perfektes Produkt für diejenigen, die es benötigen.

Die Frage ist doch die: Ihr könnt heute alle Kalorien der Erde zu euch schiffen und fliegen lassen. Benötigt ihr das, was nicht für euch produziert wurde, wirklich noch? Oder ist es liebgewonnene Tradition? Und selbst wenn es das ist, so habt ihr eure eigene, ehemals sinnige Tradition pervertiert und Kühe zu Maschinen gemacht. DAS hat keine Zukunft, das darf ich dir versichern. Fleisch und Milch sollten wieder als die Delikatesse angesehen werden, die sie sind. Und nun erzähl mir von dem Mann, der dich gestern fasziniert hat, wir sind mit diesem Thema fertig. Weil du all dies WEISST, es nur nicht wahr haben willst.

T: In Ordnung. Ich bin gestern zufällig (hahaha) über die wunderbare Dokumentation »Das geheime Leben der Bäume« gestolpert und habe mir die zwei Stunden sofort zu Gemüte geführt. Weltklasse. Dieser deutsche Ex-Förster, der sagte: »Hier läuft alles falsch und ich trage dieses System nicht mehr mit.« Grandios. Jetzt teilt er auf der ganzen Welt sein Wissen und überzeugt Regierungen und Unternehmen, anders zu planen. Damit es auch in 500 Jahren noch – oder vielmehr wieder – gesunde Urwälder gibt.


C: Man könnte sagen, dieser Mann ist ein wahrer Druide. Seine Gefährten ebenso. Er leistet Arbeit in meinem Namen, er weiß es nur nicht bewusst. Es ist nämlich nicht wahr, dass unser Ruf mit den Kelten und Germanen, den Angeln und Sachsen und tausenden weiteren Ursprungsvölkern verhallt ist. Er kommt gerade zurück, wie diese Zeilen eindrucksvoll beweisen. Weil das Wissen zurückkommen MUSS. Eine Weile kommt ihr ohne zurecht – so circa 200 Jahre lang, also seit dem, was ihr »Industrialisierung« im Gemisch mit »Aufklärung« nennt. Dann beginnen die ersten, zu verstehen, dass die vollmundigen Versprechen nicht eingehalten wurden. Dass der versprochene Reichtum euch durch die Finger rinnt, weil man Gold nicht ATMEN kann und in Palästen inmitten von Steinwüsten keiner leben will. Dass euch ein viel größerer, grüner Reichtum am anderen Ende noch viel fataler durch die Finger rinnt. Wer versteht, dass ein Wald EIN(!!) Lebewesen ist, der versteht, auf welcher Basis Gott operiert. Solange ihr Wälder zerreißt, Systeme zerlegt und an Stellschrauben dreht, deren Sinn ihr nicht kennt, solange könnt ihr nicht behaupten, verstanden zu haben, was Gott ist. Gott ist vor, um und über allen Dingen PEFEKTION – und daraus folgt direkt, dass es euch nicht zusteht, im Gesamtgefüge herumzupfuschen. Was ihr entnehmen wollt – aus dem Wald, dem Meer oder anderswo – das müsst ihr VORHER hinzugefügt haben, damit es »überzählig« ist. Erst nehmen und später zurückgeben ist das exakte Gegenteil von dem, wie Alles-was-ist operiert.


T: »Welche Frage du auch hast, ich habe bereits für die Antwort gesorgt. Was immer du benötigst, ich habe es bereits zur Verfügung gestellt.« Ich erinnere mich.

C: Exakt. Die anderen haben ebenfalls mit dir über diese neuen Prinzipien gesprochen und darüber, dass man dem System im Grunde einen großen Überschuss zur Verfügung stellen muss, um einen Teil dieses Überschusses wieder ernten zu dürfen. In einen gesunden Wald müsstet ihr also im Frühjahr 100 von euch aufgezogene Wildschweine entlassen, wenn ihr 50 schießen wollt. Geschieht etwas Unvorhergesehenes wie Sturm, Krieg, Flut oder eine Knappheit an anderen Lebensmitteln, so hättet ihr vorgesorgt. Tut ihr aber nie. Nehmen ist immer noch euer Prinzip, und auch damit ist nun Schluss. Ursache und Wirkung, ganz simpel. Von Strafe hat hier noch keiner gesprochen (und wird auch keiner sprechen). Allerdings wären zahlreiche Entschuldigungen von eurer Seite durchaus angebracht.

T: Ich danke dir. Unsere Zeit ist um, ich sehe dich also morgen.


Warum es um Cernunnos so still geworden ist


T: Ich habe festgestellt, dass über die religösen Praktiken der Kelten und der Klasse, die wir uns als »die Druiden« zusammengereimt haben, nichts wirklich bekannt ist. Absolut erschreckend. Mir war ja klar, dass die Beweislage nicht die beste ist bei den Kelten ... aber dass es SO wenig ist, erstaunt mich doch. Außerdem erwische ich mich dabei, dass ich Leute korrigieren möchte, weil meine Intuition etwas anderes sagt als das, was sich Historiker zusammenreimen.

C: Wenn du glaubst, dass über die Art und Weise, wie du deinen Tempel im Ägypten betrieben hast, mehr »Experten-Wissen« vorhanden ist, muss ich dich grob enttäuschen. Ja, es gibt mehr Schriften und Hieroglyphen. Es gibt das ägyptische Totenbuch. Was gäbe ich drum, wenn das eine oder andere keltische Totenbuch gefunden würde. Noch lieber wäre mir natürlich aber ein Buch des Lebens! Jedenfalls irrst du dich,wenn du glaubst, es gäbe wirklich lückenlose, korrekte(!) Annahmen über die Rituale und Alltagbräuche der Ägyptischen Priesterinnen.

T: Wer ist Hekate? Kannst du mir etwas über sie erzählen? Einige moderne Hexen arbeiten wohl mit ihr.

C: Sie ist eine Weisheitsgöttin in der Auslegung der Ägypter und wurde stark vermischt mit griechischen und römischen Einflüssen. Eine ernste, von Natur aus Ehrfurcht gebietende Göttin, die nicht gleich zur Begrüßung das Füllhorn der Liebesenergie über dir ausschüttete. Hekates Freundschaft muss(te) man sich verdienen mit 1000 kleinen Dingen und Gefälligkeiten. Aber sie war nicht launisch – und ist es bis heute nicht. Sie ist unter den Göttinnen einfach nur die, die nicht »grundlos« lächelt. Ihr habt dafür einen Terminus heute ... das »resting bitch face«?

T: Ja, stimmt. Ich bekomme Lust, sie zu recherchieren. Und dich natürlich weiterhin. Ich wüsste so gerne, ob es Legenden von dir gab und doch sie vielleicht irgendwo überlebt haben.


C: Fragmente gibt es natürlich, denn auch heute habt ihr noch Bilder von dem einen oder anderen Waldgott und den Orgien, die dieser eurer Meinung nach täglich feiert.

T: Ähm ... tja.

C: Ich darf dir versichern, ich habe keine Zeit für so etwas.

T: Hihi.

C: Und falls du es noch nicht mitbekommen hast, ich habe auch keinen Körper, der diese Freunden ausleben kann. Mich also als Wesen, halb Bock, halb Mensch darzustellen, ist nicht nur grober Unsinn, es ist auch ganz schön würdelos für mich. Aber eure Fantasie ist nicht zu stoppen in diesem Bereich. Da ist es schon fast gut, dass ihr mehrheitlich nicht mehr ins Museum geht und diese frivolen Werke auch noch fleißig beglotzt. Die muslimische Regel: »Mach dir kein Bildnis von Allah« soll übrigens genau dies verhindern. Sie verfehlt dennoch ihr Ziel, andere Geschichte. Zurück zum Thema Legenden. Selbst wenn es welche gäbe, dann wären dies Legenden aus alter Zeit. Sie müssten in eure Zeit und eure Denke übertragen werden. Legenden sollten eigentlich nicht statisch sein, so wie Schulstoff nicht statisch ist, egal, ob ihr immer 5 + 5 zusammenzählt. Vor 200 Jahren gingen Lehrer trotzdem ganz anders an die Lehre heran als heute. Grobschlächtiger, um es nett zu sagen. Eine Legende braucht ein regelmäßiges »Update« und sich dagegen zu sperren ist kleingeistig. Du darfst die vorherige Version nur nicht vernichten oder unterschlagen, damit eure Entwicklung nachvollzogen werden kann. Wenn du sicherstellst, dass das Alte im Notfall referenziert werden kann, ist alles in Ordnung.

T: Und da haben wir es wieder. Es gibt von dir auch nichts Althergebrachtes, richtig?

C: Das finde ich nicht schlimm. Ich brauche keine Legende, wie ich aus dem Meer stieg, aus einem Baumsamen geboren wurde oder ähnlichen Nonsens, denn ich bin so alt wie ihr und Schluss.


T: Moment. Du bist so alt wie ...

C: Na ja, wenn alle Seelen in einer großen »Explosion« namens »Big Bang« aus Gott hervorbrachen, dann ist jede Gottheit genau so alt wie jede andere Seele, Kindchen.

T: Oha ... darüber werde ich noch lange nachdenken müssen.

C: Tu das. Zurück zu den Legenden.

T: Gern.

C: Wenn ich wollte, dass Geschichten mit meiner Teilhabe die Welt überschwemmten, dann würde ich mir die eine oder andere Autorin schnappen, wie es heute Usus zu sein scheint. Ihr würdet überschüttet mit den Abenteuern eines jungen Waldgottes und ich hätte eine schlange junger Fans wie die Neuerzählungen eurer Vampirmythen. Aber ich tue das nicht. Ich gebe mich nur noch recht selten her, und einige legen mir das zur Last.

T: Bist du nicht frei, zu tun, was dir beliebt?

C: Wenn ich frei wäre, zu tun, was mir beliebt, dann würden einige »Besitzer« von Wäldern in dieser Sekunde in Flammen aufgehen.

T: Oha.


C: Also, nein. Ich bin nicht ultimativ frei. Alle anderen ja auch nicht. Ultimative Freiheit ist kein Selbstziel und logisch betrachtet kann es sie nicht geben. Aber du kannst dich ultimativ frei FÜHLEN, und das ist eine hohe Lebenskunst. Die anderen Individuationen des Großen Ganzen – die Götter, Geistwesen oder Energien, wie auch immer ihr sagen wollt – drängen darauf, sich wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Denn sein wir ehrlich, ohne Anleitung seid ihr völlig verloren. Sie drängen demnach auch mich, mehr von mir preiszugeben und den Menschen ins Gedächtnis zu rufen. Aber wie ich bereits sagte, ich sehe wenig Sinn darin. Ihr werdet mich doch nur wieder vergessen. Oder Schlimmeres. Ich bin des Schauspielens müde.

T: Es tut mir leid, dass du so denkst. Ich verstehe es, aber ich finde es schade. Bitte erzähl mir in nächster Zeit mehr von dir. Damit wenigstens ich dich vielleicht, am Ende unseres Gespräches, als Freund betrachten darf. Das würde mich wirklich glücklich machen.

C: In Ordnung. Und such weiter die Druiden – und auch jene, die sich zur Selbstbeweihräucherung so nennen. Ich will, dass du sie intuitiv zu unterscheiden lernst. Wer in meinem Geist und Sinne arbeitet, und wer nicht, wird relevant werden.

T: Ich tue mein bestes. Bis morgen.

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