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Feen, Trolle & Baumgeister



25. Januar 2021


T: Erzähl mir von all den vielen kleinen Wesenheiten im Wald. Gibt es wirklich Trolle und Feen und Gnome und Bäume, in denen Elfen wohnen? Wie kam es zu diesen zahllosen Legenden, die sich überall ähneln?

C: Hauptsächlich kommt dieser Umstand daher, dass die Menschen all dem, was sie begreifen wollen, einen Namen und ein Gesicht geben müssen. Als dreidimensionale Wesen habt ihr Schwierigkeiten, bildlose Konzepte in eurem Gehirn zu verankern. Das liegt nicht etwa daran, dass Menschen einfältig sind, aber eure Gehirne sind eben auf diese Formen der Reizübertragung angepasst. Außerdem kannst du nicht über etwas sprechen, bevor du ihm nicht mindestens eine Kategorie zuweist – oder eben einen spezifischen Namen. Ihr musstet also all die zahllosen »Zufälle«, in die wir euch laufen lassen (und es sollte jetzt zweifelsfrei geklärt sein, dass wir das tun), katalogisieren und ihnen Namen geben. Für uns spielt es überhaupt keine Rolle, ob du einen eigenwilligen Baum, über dessen Wurzeln du IMMER WIEDER darüber fällst, so einordnest, dass er von einem Geist besetzt wird oder dass Heinzelmännchen in ihm wohnen. Allerdings bekommt ein Konzept immer mehr Kraft, je länger es mit Gedankenkraft »gefüttert« wird. Je länger ihr also die Geschichten von Trollen und Elfen perpetuiert, desto stärker wird sie, weil das Verhalten, der Name und das Aussehen eurer Kategorisierungen im morphischen Feld angelegt wird.


Ihr dürft nie vergessen, welche MACHT ihr dadurch habt, dass ihr euer morphisches Feld derart beeinflussen könnt. Ihr könnt nicht nur daraus entnehmen – wie jede Schriftstellerin und jeder Bildhauer und alle Erfinder), ihr fügt auch fleißig hinzu. Leider viel zu oft in solchen Kategorien wie Dämonen, Tulpas, böse Voodoogeister und derlei Nonsens. Das sind natürlich angstgesteuerte Geschöpfe, die mit uns Göttern, mit dem LOGOS, nicht viel gemein haben. Ich sagte dir schon: Wir können dich durchaus ein paar Stunden quer durch den Wald schicken, ABER: Unser erklärtes Ziel ist dann, dass du nachher etwas gelernt hast. Wären all die Geschichten über den strafenden Gott tatsächlich wahr, dann wärt ihr Menschen mit wenig anderem beschäftigt, als Gottes Strafen zu ertragen, habt ihr darüber mal nachgedacht? Euch passiert aber *fast* nie etwas, egal welcher Übertretungen ihr euch schuldig macht. Sind nun also Bäume von Geistern besetzt und wohnen in Hinkelsteinen Feen? Die Antwort lautet wie immer: Ja, das sind sie und das tun sie. Wenn dein Erleben so sein soll oder wenn du sie dir dort aktiv »hineindenkst«. Dass Unheil über dich und dein Dorf kommt, wenn du eine Linde fällst, hat weniger mit dem scheinbar dort wohnen Geist zu tun, und mehr mit den guten Eigenschaften, die die Inhaltsstoffe der Linde innehaben und derer ihr euch beraubt.


T: Wie schade, das ist eine ziemlich unromantische Erklärung. Aber sie macht natürlich Sinn, ganz klar.

C: Das hoffe ich doch. Du bist ja nicht die Erste, der ich diese Vorgänge erkläre. Ich habe etwas Übung.

T: Macht es dir gar nichts aus, dich immer wieder wiederholen zu müssen? Ich meine, seit Anbeginn der Zeit hast du diese Dinge sicher verdammt oft erzählen müssen!

C: Was meinst du denn, warum wir Schamanen ausbilden und Schreiber und Priester und Druiden? Damit wir uns nicht GANZ so oft wiederholen müssen. Außerdem ist es nicht jedermanns Lebensaufgabe, die Ohren derart weit für uns zu öffnen. Es wäre unfair, wenn diese Großzahl der Menschen mit anderen Lebensplänen ohne diese Informationen bleiben muss, nicht wahr?

T: Absolut! Und dann gibt es so Fälle wie mich. Ich vergesse STÄNDIG all die vielen tollen Fragen, die ich euch mal stellen wollte. *seufz* Sie fallen mir so über den Tag ein, und wenn ich mich zum Diktat hinsetze, sind sie weg.

C: Wären sie ernsthaft wichtig, würden wir dich schon mit der Nase darauf stoßen. Außerdem habe ich einen Rahmen für unser Gespräch gesetzt. Ich sagte, wir würden viel über Rituale sprechen, und genau das plane ich.

T: A propos: In ein paar Tagen ist Imbolc. Ein Fest, von dem ich bis vor drei Wochen noch nie gehört hatte.

C: Alles kommt wieder. Vor allem das, was eigentlich gut und nützlich war. Wir lachen uns immer ins Fäustchen, wenn ein paar Menschen daherkommen und verkünden: »Wir wollen jetzt aufhören, an diesen heidnischen Krimskrams zu glauben! Hier zieht jetzt die Logik ein! Wir machen unser Leben besser und lassen alles Alte hinter uns.« Du darfst mal raten, welche Seite den längeren Atem hat: Ihr oder wir?

T: Hehehe. Das gefällt mir. Ich glaube, wenn diese sogenannten »Aufklärer« wüssten, gegen wen sie da angehen, würden sie angesichts ihres aussichtslosen Kampfes gleich aufgeben.


C: Aber des Menschen Wille ist eben sein Himmelreich, nicht wahr? Also lass den Aufklärern ihre Aufklärerei. Lass aber ebenso der alten Kräuterfrau ihre Verweigerung aller »neumodischen Ferz«, denn sie hat schon zu viel kommen und gehen sehen, um die Geschichte zu glauben, dass ihr Leben durch den ach so großartigen, neuen Status quo besser wird. Du erkennst die Dinge, die Gott für gut und sinnvoll befunden hat, daran, dass sie seit 30.000 Jahren immer wieder vor eure Füße fallen. Kräuterkunde beispielsweise. Kunst, die überhaupt nie irgendwo hingegangen ist. Das Ablesen wichtiger Umweltinformationen (und der Zeit) an Sternen, Wäldern und Gewässern. [Timer abgelaufen.] Das Beten und Danke sagen, weil wir euch führen. Und das Opfern, über das wir in größerer Tiefe morgen sprechen wollen.

T: Ich bin schon sehr gespannt. Ich habe noch genau im Ohr, was Jormungandr mir zu dem Thema erklärte. Dass jedes sinnvolle Opfer eines ist, das wir aus uns selbst heraus erbringen. Also keine Söhne schlachten, keine Tiere töten und keine Blumen schneiden, denn das sind dann keine Opfer von UNS, sondern von anderen. Und Menschen haben nur zwei Dinge, die sie überhaupt opfern können: Zeit und Energie.

C: Exakt so ist es. An diesem Punkt knöpfen wir morgen an.

T: Oh, das ist toll! Da es jetzt hier steht, kann ich es schon nicht mehr vergessen. Das sollten wir öfter so machen!

C: Gut, gut, ist vermerkt. Bis morgen.

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