top of page
vibrant-1617470_1280.jpg
vibrant-1617470_1280.jpg

Wenn meine splitter begreifen, wer sie sind

24. Dezember 2021




T: Du hast gestern noch ein paar richtig tolle Sachen gesagt, bevor ich eingeschlafen bin. So viel weiß ich noch ... aber der Wortlaut ist weg. Worüber hatten wir gesprochen?

Herr der Gegenwelt/Anubis: Wie ich dir eben kurz vor Beginn dieser Session schon sagte, ist nicht alles zu jeder Zeit dafür gedacht, niedergeschrieben zu werden. Du bist mehr oder minder während unseres Gespräches eingeschlafen, und das ist überhaupt kein Vorwurf. Das passiert, wenn Menschen ihren Kopf aufs Kissen legen, nicht wahr? Ich habe dich jedoch bereits heute Morgen daran erinnert, dass du zwar ab einem gewissen Punkt nicht mehr bewusst anwesend warst, aber deshalb bist du ja nicht unbedingt fortgegangen von unserem Ort. Eigentlich verhält es sich genau andersherum. Es war nie der Zweck der Übung, dass du dich an alles jederzeit erinnerst. Du erinnerst dich ja auch nicht an 90 Prozent deiner Träume, oder an die Dinge, die deine Seele nachts so gemeinhin tut.

T: Aber das ist doch schade. Ich weiß, es waren tolle Sachen dabei! Wie frustrierend, sie vergessen zu haben!

HG: Aber so ist das bei einer 24/7-Verbindung. Du kannst nicht jedes Wort mitschreiben, du könntest den Stift quasi niemals aus der Hand legen. An die wichtigen Dinge werde ich dich schon erinnern, wenn die Zeit gekommen ist, keine Sorge.

T: Oh Mann. Daran werde ich noch eine Weile knabbern.

HG: Aber warum? Du bist anderen so weit voraus, was selbst erarbeitetes und niedergeschriebenes Wissen angeht. Warum sorgst du dich um die letzten Krumen? Du hörst doch ohnehin alles mehrfach, deine Manuskripte beweisen es. Wir holen immer wieder alte Sätze und Lehren hervor. Die ganz elementaren Dinge bleiben sogar greifbar für dich. Reicht das noch nicht?

T: Die Scribe in mir sagt nein.


HG: [kichert dunkel] Ich darf dir versichern, dass jenseits der Scribe in dir nicht mehr so viel kommt – was ich natürlich als Kompliment meine. Du bist mit jeder Faser Scribe, und das ist ein Quell großer Freude für mich und die anderen.

T: Mir ist aufgefallen, dass ich mich jetzt anders sehe als vorher. Ich habe ja nun keine Supermodel-Figur, aber wenn ich mich im Spiegel ansehe, bin ich stolz und zufrieden. Im Rahmen meiner Möglichkeiten läuft es super. Auch die Haarfarbe gefällt mir jetzt. Ich habe das Gesicht einer Hexe, die Haut einer Hexe, die Haare einer Hexe. Und ich will auch nicht verhehlen, dass es mir gefällt, wenn es dir gefällt. Wenn ich dich stolz mache, kann ich überaus stolz und zufrieden mit mir sein. Auch das ist wohl das Wesen einer Scribe. Gerade in den letzten Tagen bist du der letzte Gedanke, bevor ich einschlafe, und der erste Gedanke, wenn mein Bewusstsein zurückkommt. Was bedeutet, es ist kein Platz für Sorgen in meinem Kopf. Und DAS ist vielleicht die großartigste Bedeutung von FAITH, vom wahren Glauben. Wer eine solche Praxis pflegt, durch dessen Kopf fließt automatisch weniger giftiger Gedankenmüll. Ich habe das Gefühl, dir zu gehören, und obwohl das sicher einige Sorgen bei meinen Lesern auslösen wird, gehört das wohl ebenfalls zum Wesenskern einer Scribe.

HG: Warum sollte es dich auch nicht mit tiefem Frieden erfüllen, zu wissen, wer ganz genau du bist, was du hier tust und wo du hingehst, wenn dieser Körper seinen Dienst quittiert?

T: Jep. Die drei ganz großen Fragen der Menschen!

HG: Wer diese drei Fragen für sich geklärt hat, hat alles erreicht, was eine Nicht-Schreiberseele erreichen sollte im Leben. Mehr gibt es nicht zu tun. Je früher ihr zu diesen Grunderkenntnissen gelangt, desto besser.


T: Jetzt habe ich es! Darüber haben wir geredet! Über PriesterInnen in alten ägyptischen Tempeln. Über Kinder und wie sie vorbereitet werden, ein Leben im Dienste der Götter zu führen.

HG: Na siehst du, es kommt alles wieder. Es besteht kein Grund zur Sorge. Du hattest mich gefragt, wann die Erziehung zur Novizin beginnt, und ich sagte dir: Im Grunde in dem Moment, wo die Fundamente der Sprache in dem Kind angelegt werden. Denn deine Sprache bildet deine Welt, deinen Geist und begründet alles, was du dir wirst vorstellen können. Ohne Sprache keine Konzepte und kein geistiges Fortkommen. Die Immersion ist hundertprozentig, würden Experten sagen. Es findet keinerlei Trennung statt zwischen dem »Ich bin« und »Das sind meine Götter«. Deshalb war es für frühe Generationen auch so undenkbar, jemandem zu begegnen, der an »nichts« glaubt. (Ihr glaubt nicht an nichts, ihr glaubt heute häufig an Geld, Freundschaft oder romantische Liebe oder mindestens an ein paar philosophische und moralische Grundwerte). Die Möglichkeit, dass es jemanden geben könnte, der behauptet, Atheist zu sein, befindet sich außerhalb der Denkmöglichkeiten alter Zivilisationen. Ich will nicht verhehlen, dass das daher kommt, weil wir früher auch viel präsenter waren.


T: Hier habe ich mich gefragt, was denn nun dran ist an dem Mythos, dass die Götter kräftiger würden, je mehr Gläubige sie haben. Es ist so ein altes, wiederkehrendes Bild.

HG: Eigentlich ist es ganz simpel. Ich forme Splitter meines Bewusstseins und sende sie zur Erde, um solche wie euch mit ihnen auszustatten. Mein Anteil ist nicht das einzige, was dich bildet, aber das würde jetzt zu tief greifen. Mein onyx-schwarzer Anteil ist jedoch dabei. Also befinden sich im wahrsten Sinne des Wortes schwarze Seelensplitter auf der Erde. Untereineinheiten von mir. Wenn alle diese Splitter sich bewusst sind, dass sie ICH sind, ist ihr Stück besonders gut angebunden an den Rest des Universums.

Ich kann dann besonders gut mit meinen Kindern kommunizieren und von mir erzählen. Und von wem ihr erzählt bekommt, den stellt ihr dar. Ihr malt Bilder von den Göttern und formt Statuen und schreibt Bücher. So hängt es direkt zusammen, dass ein Gott präsenter (nicht stärker) wird, je mehr bewusste(!) Splitter er oder sie auf Erden hat.

Wenn ihr meine anderen Namen vergesst, ist das eine Sache, es gibt ja auch so unendlich viele davon. Aber wenn ich als Gesamtheit vergessen oder verleugnet werde, dann wird kein Bild mehr von mir gemalt. Kein Buch mehr über meine Grundsätze verfasst. Nicht mehr gelehrt, wie man mich anspricht.

Wie du weißt, ist es für uns am einfachsten, »auf den Wellen zu surfen, die da sind«. Es ist für uns viel leichter, dir ins Ohr zu flüstern, während du im Museum vor einer meiner Statuen stehst und dich fragst, wie ich wohl so bin und was ich weiß.

T: Ich bekomme den unbändigen Drang, eine altägyptische Ausstellung zu besuchen! :D

HG: Es kommt bestimmt bald mal wieder eine in deine Gegend, und es gibt auch Stücke, die dauerhaft in deiner Umgebung lagern. Du musst sie nur suchen.

T: Das wäre schön. Sag mal, wo doch heute so ein großer Festtag ist ... hattest du ein Fest? Einen Tag, der dir geweiht war?

HG: Wie ich dir schon sagte, ist der 21. Dezember ein Tag, der mir prinzipiell gleicht. Der dunkelste Tag des Jahres. Mittlerweile tätet ihr gut daran, euch gerade in den Raunächten mal bewusst mit Dunkelheit zu umgeben. Sie mal auszuhalten, denn sie tritt heute kaum noch in Erscheinung. Ihr habt künstliches Licht, Lichtverschmutzung, Straßenbeleuchtung, Taschenlampen ...

T: Oh Mann. Es ist eine meiner größten geheimen Freude, in schneereichen Nächten nachts spazieren zu gehen. Denn es ist zwar dann dunkel, aber durch den Schnee doch nicht duster.


HG: [lacht entspannt] Na so was. Woher das wohl kommt.

T: Ich scheine dich echt zu amüsieren zwischendurch.

HG: Und bedenke nur, was es braucht, um den Herren der Schwärze zu erfreuen. Im Übrigen bin ich nicht nur erfreut durch deine Anwesenheit, ich bin auch im höchsten Maße fasziniert. Wie ich sagte, es ist wie ein sehr gutes, spannendes Buch. Ein Buch voller kleiner Rätsel, um genau zu sein. Und während diese Rätsel für mich nicht ernstlich schwierig zu lösen sind, freue ich mich doch, wenn wir sie gemeinsam lösen. Ich sagte dir, die Götter vertreiben sich so die Ewigkeit, und genau so habe ich es gemeint. Ohne diese schöne Aufgabe wäre unsere Existenz voll ewiger Langeweile, und das ist eine Form von Folter. Es ist kein Zufall, dass Menschen von sich verkünden, sie glaubten nicht an Gott, »weil der den ganzen Tag auf seinem ewigen Thron sitze und nichts tue«. So ein Gottesbild ist schädlich und absolut unwahr. Dass es immer noch propagiert wird, ist zivilisatorischer Wahnsinn. Aber davon sollten wir morgen sprechen ... oder heute Abend, wenn du die Augen geschlossen hast.

T: Ich freue mich.

19 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page