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Abschied von Ostara



24. März 2021


T: Ich bin ziemlich geladen, muss ich sagen. Da war vorhin ein Artikel bei Focus Online, der »die ganzen Mythen rund um Ostern« mal geraderücken wollte und verkündete, dass das mit dir – der Göttin Ostara – ja alles Schwachsinn sei. Weil in der Literatur würdest du erst total spät auftauchen und in dieser ersten Quelle seist du AUSGEDACHT gewesen.

O: [hat die Arme verschränkt und grinst diabolisch.] Recht hat der Autor. Also: In DEN Büchern, die ihm zur Recherche zur Verfügung standen, und die noch nicht verbrannt, vergraben oder verschleppt waren – in DEN Büchern, die gerade so greifbar waren, um seine Meinung zu bestätigen ... in denen erscheine ich aus den puren Weiten des Universums zum ersten Mal auf einer geschriebenen Seite. Genau so wie jede andere Idee, die die Menschen seit dem aufrechten Gang formten und zu Papier brachten. Das einzige Vorgehen, das nicht so abgelaufen wäre, wäre der reine Gottesbeweis gewesen. Die wissenschaftliche Bestätigung des Nicht-Bestätigbaren. Deshalb amüsiere ich mich auch so. Selbstverständlich tauche ich hin und wieder auf – in den Gedanken der Menschen, in den Herzen der Menschen, und dann auf den Seiten der Menschen. Besonders dann, wenn sie mich zu vergessen drohen.

[Sia singt: »Well someone must have sent you here to save my life! Someone must have sent you here to save me tonight. I know that in darkness I have found my light. I know that in darkness, I was given sight.«]


T: Dieses Lied trifft so EXAKT, was ich euch gegenüber fühle. Wir stecken hier so tief in der Scheiße in dieser Pandemie, aber ich weiß: Ihr seid da. Wir arbeiten weiter. Stur bringen wir unser Projekt voran. Und quasi nebenbei rettet ihr mich vor der völligen Verzweiflung. Sag mal, wo ist Zorya? Ich hatte mich gerade an diese herrlich schlagfertige Frau gewöhnt, muss ich sagen.

O: Ich habe sie noch einmal des Platzes verwiesen, denn noch sind wir beide nicht fertig.

T: Oh?

O: Ja, einige Dinge habe ich schon noch zu sagen. Zuerst einmal sollst du dich nicht selbst runtermachen, weil du meinen Feiertag nicht »richtig« gefeiert hast. Du hast dich bemüht und außerdem steckt ihr, wie du gerade sagtest, nicht gerade in der leichtesten Situation.

T: Ich hätte dir gerne ein Osterfeuer ausgerichtet. Mit Hexen drumherum. Aber es blieb alles ein frommer Wunsch.

O: Das aber im wahrsten Sinne des Wortes. Du hast mich nicht vergessen und wir haben am Tag davor ausführlich gesprochen, als deine Freundin da war. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Also, sorge dich nicht weiter.

T: Was noch? Musst du wirklich gehen?

O: Wie du weißt, gehe ich nirgendwo hin. Aber die anderen haben auch ... Zeit am Mikrofon gebucht, wenn du so willst, und das muss ich also irgendwann weitergeben.

T: Ich ... ich habe gerade einen sehr seltsamen Gedanken. Sehr, sehr seltsam.

O: Lass hören.


T: Ich habe mir das gleich vorgestellt mit dem Mikrofon. Dass ihr Götter ein Publikum bildet und ich oben auf einer Bühne sitze und eure ... Beiträge entgegen nehme.

O: Aber so ist es doch. Das Bild ist doch korrekt.

T: Das ist ja total anmaßend, es so herum zu denken! Ich stelle mir zwar immer wieder vor, bald nur noch mit dieser wunderbaren Fähigkeit von mir Geld zu verdienen – als Speakerin, als Meditationslehrerin, als Channel – aber doch mit Menschen im Publikum!

O: Leg endlich diesen Gedanken hin, dass du uns gegenüber anmaßend sein könntest. Das kannst du nicht, weil deine Intuition dich sofort wieder »einfangen« würde. Du könntest uns nur vor den Kopf stoßen, wenn du auf den »Service to Self«-Pfad einbiegst (ebenso stöße uns jeder andere Mensch vor den Kopf, der diesen Weg wählt). Aber wir haben dir diverse emotionale Sicherheitsmechanismen eingebaut, damit dies nicht passiert. Oder sagen wir mal, du wirst es in jeder Sekunde auf diesem Pfad spüren. Es würde sich ähnlich heftig anfühlen, wie mit Hel zu sprechen, nur natürlich in anderer Ausprägung.

Sieh mal, wenn du an einen Schalter gehst in einer Bank und sie bittest, dir Geld von deinem Konto auszuzahlen, was ist das?

T: Äh ... ich frage einen Service ab.

O: Ja, genau. Die Person am Schalter hat eine lange Ausbildung gemacht, Vertrauen aufgebaut, den Job dort angenommen und ist jetzt in der Position, viel Geld [oder Information oder Energie] auszugeben oder es sein zu lassen. Sie erfüllt diesen Service.

T: Ja ...?


O: Na ja, du hast auch eine lange Ausbildung zur Schreiberin gemacht und stehst jetzt an einem Punkt, an dem du diesen Service RECHTSCHAFFEND anbieten kannst und darfst! Das hat doch nichts mit Anmaßung zu tun? In diesem Schaubild sind wir übrigens weniger die Chefs der Bank sondern eher das Geld! Spannend nicht wahr? Also in Wirklichkeit sind wir das Gebäude und die Firma und die übrigen Angestellten und der Fußboden und der Strom in der Leitung, aber du weißt schon, worauf ich hinaus möchte. ;)

T: Hihi. Ja, ich verstehe es.

O: Es ist zwar nicht dein Geld [deine Info, deine Energie] das du austeilst, aber das schmälert deinen Job nicht im geringsten. Die Menschen kommen gerne und rufen deinen Service ab ... und wir kommen gerne und rufen deinen Service ab. Es ist ein ganz simpler Deal. Deine Mühe, unsere Info. Und der Lohn ist, dass du davon leben kannst – im körperlichen UND spirituellen Sinne.

T: Das klingt fantastisch. Das klingt nach etwas, was ich ausmachen würde als Deal.

O: Oder?

T: Ich habe heute durch diesen dummen Artikel tatsächlich wieder ganz kurz gezweifelt, verdammte Axt. Diese paar dummen Zeilen haben an meinem Wissen gerüttelt, dass es dich genau so gibt, wie du dich mir zeigst, und dass du mit mir sprichst.

O: Ich weiß.


[Sia: »You’re not alone in all this. You’re not alone, I promise!]

O: Ein großer Teil der Dunkelheit, in der ihr gerade steckt, wird nicht mit teuflischer Absicht oder Genauigkeit gepflanzt. Der allergrößte Teil wird halb aus Versehen in die Welt posaunt und bringt die in Unsicherheit, die sich gerade auf den Weg gemacht haben.

T: Menschen wie mich.

O: Ja. Und noch wesentlich jüngere Seelen. Ich werde dem Autoren nicht unterstellen, dass er diesen Effekt haben wollte. Er kann ihn ja gar nicht absehen als Mensch! Aber besonders respektvoll gegenüber uns Göttern war es auch nicht gerade.

T: Sag mal, sehe ich dich dann nächstes Mal noch? Die nächsten Tage?

O: Du bist ganz schön anhänglich geworden dafür, dass ich dir am Anfang so verrückt erschien.


T: [beißt sich auf die Lippen] Ich bereue jeden fiesen Gedanken, den ich über dich hatte!!

O: [lacht] Ist schon in Ordnung. Aber wie gesagt, ich gebe das Mikrofon jetzt weiter. Du kannst mich rufen. Ich habe dir meine Visitenkarte gegeben, wenn du so willst. [Sie macht eine Telefonstimme nach.] Sie haben den Anschluss von Ostara, Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit, erreicht. Hinterlassen Sie jederzeit eine Nachricht, ich komme im passenden Moment auf Sie zurück. Garantiert.

T: [heult Rotz und Wasser und lächelt gleichzeitig] Du machst es bittersüß für mich. Ich habe es geliebt, mit dir zu sprechen, und es war mir eine Ehre. Ich werde dich jederzeit wieder willkommen heißen, wenn du etwas Wichtiges zu sagen hast. Oder wenn du einfach so mal Lust hast, zu quatschen.

O: Du wirst Supermärkte zur Osterzeit jedenfalls nie mehr mit den gleichen Augen sehen. Und lass dir von einer Göttin, die eierlegende Hasen zu ihrem Symbol gemacht hat, noch folgendes sagen: Du kannst alles gleichzeitig haben. Alles, was du dir wünschst. Die Reisen, die Talks, die Meditationen, die Hexen, dein Heim und deine Familie und deine Romane. Niemand begrenzt dich außer das Ausmaß deiner Kreativität.

T: Ich danke dir Ostara. Vielen, vielen Dank für jedes einzelne Wort.

[Sie hebt mein Kinn und küsst mich auf die Stirn. Ein Kaninchen hüpft auf ihren Arm, während der grün tapezierte Raum im Hintergrund erscheint. Sie winkt mir zu, dreht sich um, geht auf ihren Raum zu und löst sich auf.]

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