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Konsum: neue und alte Dinge



T: Manchmal komme ich auf die einfachsten Sachen nicht. Ich habe zum Beispiel meinen Altar von einem zu niedrigen, zu kleinen Tisch umgeräumt auf mein Highboard, dessen Oberfläche sowieso irgendwie immer nur Kleinkram-Ablage war. Ich habe meine Whiteboards sortiert, schön beklebt und endlich angefangen, Sprüche davon abzufotografieren fürs Blog. Ich bringe wirklich manchmal eins und eins nicht zusammen, das ist so nervig!

C: Die einzige Konstante ist die Veränderung. Und warum nicht? Es klingt zwar wie das Geschwätz von Innendesignern, aber Räume dürfen leben und atmen. Sie passen sich den Jahreszeiten an und dem Verhalten ihrer Besitzer. Ein Raum, der wahrhaft DEINER ist, entsteht nicht über Nacht. Manche planen deshalb monatelang – wie dein Mann zum Beispiel – und du probierst eben herum. Wie deine Mutter. Es gibt wie so oft kein richtig und falsch. Und wenn nur in dem Sinne, dass du nicht hyperkonsumieren sollst. Wer im Frühjahr ein grasgrünes Höckerchen kauft, das er im Herbst entfernt sehen will, der lebt in einer vollkommenen Scheinwelt. Das allein wäre noch gar nicht das Schlimmste. Aber Leute, die zu viel haben (zu viel konsumieren), machen sich nichts zu eigen. Das ist die natürliche Kehrseite ihres Verhaltens. Und wer sich nichts zu eigen macht, fühlt sich leer. Und wie fühlt ihr euch derzeit oft? Planetar gesehen?

T: Vollkommen leer.


C: Das sind alles natürliche Vorgänge, aber kaum einer bringt euch die Zusammenhänge noch bei. Es ging nie darum, dass ihr etwas nicht haben könnt, was ihr bis an euer Lebensende lieben wollt. Das ist schmerzlicher Verzicht, und so ist euer Leben nicht (oder sehr selten) gedacht. Aber bei welchem Schrank bekommst du schon ein schweres Herz, weil du ihn nicht besitzt? Eigentlich ist es sogar noch viel besser: Natürlich kannst du ein Stück, dass du gesehen und dich spontan verliebt hast, kaufen. Sagen wir, einen antiken Holzkleiderschrank mit aufwändigen Intarsien. Er ist teuer, aber du kannst darauf sparen. Die Genugtuung beim Kauf – und JEDEN Tag danach – wird entsprechend groß sein. NOCH besser fühlen sich aber die Dinge an, die du selbst gemacht hast. Es gibt keine Alternative zu einem selbst gebauten Möbelstück. Zu einem selbst gebauten Haus. Nicht emotional. Aber du wirst dir nicht jeden Tag das gleiche Möbel bauen, denn du hast ja noch mehr vor in deinem Leben. Andere Dinge wollen geschaffen und entdeckt werden. So hat alles eine ganz natürliche, von selbst funktionierende Balance.

T: Und was ist mit den Leuten, die nach zwei Jahren sagen, sie hätten sich nun an ihren Dingen »satt gesehen«? Ich gehöre persönlich nicht dazu, aber gehört habe ich das schon oft.


C: Diese sollten genau prüfen, wie sie zum Erwerb neuer Dinge stehen und welche Emotion damit verknüpft ist. Kann ein solcher Lebensstil gelingen? Aber selbstverständlich, die »Kleiderkreisel« dieser Welt machen es vor. Wer aber negative Emotionen gegenüber Dingen entwickelt, die er »zu lange« besessen hat, sollte sich das sehr genau besehen. Nicht um unseretwillen, uns kann man weder mit vollendetem Verzicht noch mit Hyperkonsum beeindrucken. Nicht einmal zuerst um des Planeten willen. Sondern um seiner selbst willen. Denn wer fühlt sich schon wohl umgeben von Dingen, die für ihn ein emotionales Ablaufdatum haben? Ist das ein balanciertes Leben? Für mich ist das Getriebenheit, und ich darf dir versichern, dass eine Treibjagd zermürbend ist.

T: Danke dir, das war interessant. Ich denke mal, ich halte es wie bisher.

Zusammen: Go with the flow.

C: Perfekt.

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