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Der Waldgott spricht

Im Netz trifft sich die Welt, und auf YouTube auf ganz besonders nette Art und Weise. Um meine Gespräche einer besonders großen Zahl potenzieller Hörer zur Verfügung zu stellen, habe ich das viermonatige Gespräch mit dem keltischen Waldgott Cernunnos nun also fürs große Publikum adaptiert: als Video, und auf Englisch.


Keine Sorge, es wird selbstverständlich auch über Cernunnos das (deutsche) Buch geben schlussendlich, aber das wird noch dauern leider. Bis dahin kann ich mich nur entschuldigen, denn ich kann einfach nicht alles in allen Sprachen gleichzeitig rausbringen.


(Wenn ihr im Verlagsumfeld arbeitet, oder jemanden kennt, der jemanden kennt, ich bin für jeden Vorschlag offen, der nicht das Wort "Zuschussverlag" enthält. ;) ;) )

Wenn euch die Sprache wurscht ist, hier mein Tipp für den perfekten Hörgenuss:


Put yourself in my shoes for a few minutes, and follow me on this spirit journey.

In the end, you might just find that whenever the God says something to me, he really has a message for all of us.


Wenn euch die neue Reihe gefällt, abonniert bitte unbedingt meinen Youtube-Kanal! Danke!


Deutscher Originaltext:


T: [Da ich nicht hundertprozentig weiß, wie ich Cernunnos gut und schnell erreichen kann, verwandle ich meine weiße Matrix einfach in einen wunderschönen Wald, alt wie die Legenden selbst. Und es hilft wohl, dass wir gestern den ersten Kontakt schon gehabt und diesen Teil meiner Ausbildung besprochen hatten, denn auf dem breiten Weg zwischen den Bäumen sehe ich sehr schnell die Figur, die ich einfach als »Green« betitelt hatte – den grün gekleideten, jungen Mann, der immer ein entspanntes Lächeln auf den Lippen hat.]

T: Na? Kein Geweih, keine Hörner vom Bock oder Hauer vom Eber?

C: Hat’s etwas gebracht?

T: Tja, wohl nicht. Ich habe etwas recherchiert, wie du empfohlen hast. Wie unendlich traurig und unfair, dass die Christen in einem gehörnten Gott des Waldes sofort nur den »Satan« sehen konnten.

C: Siehst du. Natürlich könnte ich mich hier vor dich stellen, mit elementarem Geweih, Fellbewachsen mit langen Grannen. Was würde es mir nützen? Was GENAU wäre mein Gewinn? Weißt du, ich bin des Schauspielens müde.

T: Das kann ich verstehen. Ich habe viel herumgesucht und die Informationen über dich sind wirklich bruchstückhaft, um es sehr nett zu sagen.

C: Das berichtete ich doch. Du solltest wirklich lernen, uns zu glauben. Weißt du, auch die größte Masse an anderen Menschen kann falsch liegen – und somit auch eure Suchmaschinen.


T: Genau so habe ich das noch nie betrachtet, aber es ist völlig richtig. Ich habe noch immer einen automatischen Reflex, alles zu googeln, was mir über den Weg läuft.

C: Warum vertraust du nicht wenigstens deiner Intuition an den Stellen, an denen es kein falsch und richtig geben kann? (Gibt es nie, aber du weißt schon, was ich meine) Wenn DU getrocknete Sanddorn-Beeren und Lorbeerblätter verräuchern möchtest, dann suche die Rohstoffe, keine Anleitung.

[Ich habe tatsächlich seit ein paar Tagen das Bedürfnis, alle möglichen Sachen selbst zu sammeln und zu räuchern. Ich wohne ländlich, ein echtes Problem ist das nicht.]

Was für dich gut und richtig ist und unbedingt in der Räucherschale landen sollte, kann dir doch ohnehin keiner sagen. Versuch und Irrtum, Versuch und Irrtum.

T: Na ja. Im Grunde recherchieren wir heute alles, weil so viele vor uns schon oft die gleichen Experimente gemacht haben. Wir wollen uns also die Zeit sparen.

C: Und dennoch sage ich dir: Das Wissen der anderen ist das Wissen der anderen. Nicht deines. Ihre Erfahrungen und Vorlieben sind ihre eigenen und sie zu deinen zu machen ist kein Erfahrungswert, es ist abkupfern. Und davon müsst ihr weg. Die Kelten haben keinen YouTube-Channel, ich darf dir das versichern.

T: Fies, aber wahr.

C: Und wer einen solchen Sendekanal besitzt, ist NICHT schlauer als du – und schon gar nicht schlauer als wir beide gemeinsam.


T: Du bist das, oder? Ich spüre seit gestern ganz stark deinen Einfluss. Ich will in den Wald. Sammeln, Laufen, Atmen. Zuerst dachte ich, das ist nur wieder der Lagerkoller, schließlich haben wir hier in Deutschland weiterhin großräumigen Virus-Lockdown. Ich möchte mir deine Zeichen schaffen oder kaufen. Figuren aus Messing, Ton. Ketten und Bilder. Mein Altar platzt aus allen Nähten. Und ENDLICH habe ich dieses weihnachtliche Motiv des Hirsches verstanden. Mein ganzes Leben habe ich gerätselt, warum Menschen Hirsche auf ihre Weihnachtskarten stempeln und malen. Jetzt verstehe ich es!

C: Der Hirsch ist mein Symbol, ja. Aber nicht nur das. Der Hirsch trotzt auch der kalten, dunklen Zeit – wie ihr es müsst (und früher in noch viel extremerem Maß tun musstet). Im Übrigen hast du gehört, dass ich im Herbst mit den Blättern der Bäume »sterbe« und im Frühjahr »wieder erweckt werde«. Das ist natürlich Unsinn. Ich bin ein Teil Gottes, der nicht in Menschenkörper schlüpft zur Belustigung. Ich bin immer hier. Meine Kinder aber sterben in großer Zahl, das ist richtig. Ich kann aber nicht alle schützen, so ist nie der Plan gewesen. Ihr Menschen tätet gut daran, dieses Prinzip wieder zu verstehen. Ich sage damit ja nicht, dass ihr einen Teil eurer Kinder in die Kälte legen sollt, um eure Zahl stabil zu halten. Oder eure Alten, Allmächtiger. Ich sage nur: Was auf dem Weg ist, zu gehen, lasst gehen. Blätter, Tiere, Kranke. Helfen und retten ist eine ehrenhafte Aufgabe, keine Frage. Aber ihr habt die Art von Hilfe perfektioniert, die keine ist. Ihr könnt einem Baum die Blätter wieder ankleben, aber er wird dennoch dem Zyklus folgen. Lernt, Vergebliches sein zu lassen. Hört auf zu Kämpfen. Gegen mich, gegen den Wald, gegen die Jahreszeiten und den damit zwangsweise verbundenen Tod. Ihr könnt euch sonst nur unglücklich machen.

T: Irgendwie wusste ich all dies natürlich, und doch tut es wie immer gut, es noch einmal so direkt dargelegt zu bekommen. Ich dachte ursprünglich, ich würde froh sein, wenn die Channelling-Challenge dann »endlich« vorbei ist und ich in meinen mehr oder minder normalen Rhythmus zurückfinde. Aber ich stelle mehr und mehr fest: Ich will nicht zurück zu dem, wie es vorher war! Ich verändere mich. Ganz extrem. Gleichzeitig fällt mir auf, was ich schon alles besaß. Schädelplastiken habe ich bereits in meiner Jugend gekauft, Bücher über übersinnliche Vorkommnisse, Kontakt zur Anderswelt und ihrer Figuren, Räucherwerk. Ich musste es im Grunde nur zu einem Gesamtwerk zusammentragen!


C: Den meisten Hexen geht es so. Ihr kauft euch in zyklisch vorkommenden Momenten Dinge, die euch faszinieren und anziehen. Das ist eine Kette mit Edelstein hier und eine Figur dort. Ihr rätselt, woher die Legenden von Vampiren, Waldgeistern und Banshees kommen und seid von Sinneseindrücken wie einem stark riechenden Öl oder Kraut fasziniert. Und eines schönen Tages bringt ihr dann endlich alles zusammen. Fallt aus allen Wolken und direkt auf den staubigen Boden der Realität. Mit etwas Glück habe ich euch dort bereits ein Bett aus Blättern und Moos bereitet, und mit Verlaub haben selten so wenige ein leeres Nest betreut wie deines. Es wartete hier unter meinem wachsamen Auge auf deine Rückkehr, und endlich bist du da.

Und bevor du dir über die Aussage deiner Besonderheit zu sehr den Kopf zerbrichst: Neben deinem befinden sich hunderttausende weitere Nester, die alle auf die Rückkehr ihrer Bewohner warten. Der Hexen und weisen Frauen, der Druiden und Ritualführer. Ihr habt einen Spruch, der nicht zu weit neben der Wahrheit liegt: »Egal, womit der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, der vierte wird mit Stöcken und Steinen gefochten.« Wenn man die Römer als den ersten weit gespannten Krieg gegen Gläubige ansieht und das Christentum als den zweiten und euer momentan überbordendes Maß an Krankheiten (geistige und körperliche) als den dritten, dann sind wir genau jetzt an der Schwelle, an der ihr zwangsweise zurückfinden müsst zu »Stöcken und Steinen«. Zum Spazierstock eines Druiden und in Steinen geritzten Wünschen. Denn manchmal muss man zur letzten Weggabelung zurückgehen, wenn man sich verlaufen hat. Und ihr habt euch nicht verlaufen, ihr habt euch mit ungekannter Geschwindigkeit verrannt.

[Timer abgelaufen.]

C: Ich erwarte dich morgen.

T: Ich danke dir. Bis morgen!

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