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Wo Frauen das sagen haben/hatten

03. Mai 2023


T: Liebste Hathor, ich habe zwar wie immer einen Strauß voller Fragen mitgebracht, aber ich möchte, dass du endlich dein Kernthema anschneiden kannst. Wenn es all die anderen Themen nicht gegeben hätte, über was hättest du zuerst mit mir gesprochen?

H: [kichert dunkel] Die anderen Themen sind aber, und es ist sehr gut so. Wie ich sagte: Ich werde zufrieden sein mit dem, was ich anbringen kann. Wenn du mich nun aber bittest, möchte dir von der Rolle der Frau im alten Ägypten erzählen. Besonders natürlich von der Zeit von Anu [Heliopolis] – also ganz besonders von der Zeitspanne, in das Weibliche in diesem Landstrich wesentlich mehr den Ton angab als jetzt.

Wie das so ist, bleibt von geschichtlichen Aufzeichnungen fast immer nur erhalten, was Pharaonen, Könige, Priester und Kriegsherren Großes geleistet haben. Der Alltag wird nicht nur weit weniger thematisiert, er wird auch auf günstigeren Materialien dargestellt und an Orten vergraben, die nie wieder aus dem Sand der Geschichte hervorragen wie der Kopf einer Sphinx. Kurzum: Ihr habt keine Ahnung, wie es in den sehr frühen Zivilisationen um solche Dinge wie den Haushalt und seine ungeschriebenen Regeln stand.


Und deshalb möchte ich dich auf einen Umstand aufmerksam machen, der dir in den letzten Jahren schon häufiger dämmerte. Es gab nämlich früher – und gibt in sehr vielen Kulturen heute immer noch – eine ungeschriebene Regel zwischen Männern und Frauen, die besagt: Sie hat zu Hause das sagen, er außerhalb. Das kommt euch heute komisch vor, funktionierte aber lange ganz prächtig. Es funktioniert bis heute wunderbar, wenn die Balance zwischen den Partnern stimmt und die Fronten beiden BEWUSST sind. Im arabischen und auch im slawischen Raum kannst du diese klare Rolleneinteilung noch wunderbar live erleben. Das muss auch kein schlechtes System sein, Aufteilung ist Aufteilung. Es ist allerdings problematisch für Männer, die NICHT gerne den Dicken markieren wollen oder können, und für Frauen, die es nicht ertragen, im Schatten ihres (ihrer Meinung nach inkompetenten) Mannes zu stehen. Heute wie damals gilt daher: Lasst die Leute doch nach ihren Talenten ihren Platz einnehmen, nicht nach ihren Geschlechtern!


T: Ha, guter Tipp. Aber wie hängt das jetzt genau mit der damaligen Zeit zusammen?

H: Man müsste im Grunde sagen, die Kommunikation war klarer damals. Wer was aus der Verbandelung mit Partner oder Partnerin erhält, und welcher Einsatz dafür geleistet werden muss, lag unverhohlener auf der Hand. Es wäre damals (schon rein aus zeitlichen Gründen) illusorisch gewesen, die Frauen vom Haushaltsgeld fernzuhalten, weil die Männer sie kontrollieren wollen oder für zu beschränkt halten, damit umzugehen. Die Stellung war eher wie bei den Wikingerfrauen – allerdings war Kämpfen ganz und gar tabu für das weibliche Geschlecht. Frauen wurden von jeder meist als zu wertvoll – ja heilig – angesehen, um sich in die Messer anderer zu werfen. Das war in Anu nicht anders. Du schützt eben das, was dein Volk mehren kann, und das sind die Frauen.


Überdies gab es über lange Zeiten hinweg keine derart ernsthaften Konflikte zwischen Städten oder Landstrichen. Wenn Frauen in einer Stadtstaaten-Struktur mehr zu melden haben, reizen sie ALLE diplomatischen Wege aus, bevor sie auch nur einen Heranwachsenden in den Tod schicken. Mütterherzen verhandeln bis zum bitteren Ende und werfen niemals vorzeitig das Handtuch, um irgendeinen Ruf zu wahren. Ganz im Gegenteil; Ihr Ruf entsteht dadurch, dass sie Verhandeln wie niemand sonst. Aber das trifft nun natürlich auf Frauen in besonders hoher Stellung zu. Es gab durchaus eine Art Stadtrat in Anu, schon bevor wir kamen, und diesem wohnten auch Frauen bei. Es ist eigentlich völlig verrückt, dass man euch das sagen muss! Die Frauen von mittlerem Stand taten das, was Frauen durch alle Zeiten hinweg im Mittelstand taten: Sie handelten, unterhielten Nähereien oder Kunstwerkstätten oder Lebensmittelstände. Überall auf der Welt kannst du das heute ebenso gut betrachten wie damals.


Natürlich war nicht alles perfekt. Es gab Armut und verzweifelte Menschen. Es gab eine unterste Kaste, und natürlich gab es Kranke und Krüppel. Das bleibt ja nicht aus. Und dann gab es die PriesterInnen und die Tempelbewohner ... und diese bildeten ihre eigene Kaste. Am Anfang waren sie nicht ganz so frei wie später, als sie direkt mit uns zusammenarbeiteten. Als dann klar wurde, dass wir mit dieser Kaste am tiefgreifendsten zusammenarbeiten würden und unser Wissen über sie in die Stadt bringen würden, wurden noch einmal wesentliche Freiheiten für die Priesterkaste geschaffen. Schließlich erhielt die Stadt dafür Erfindungen, die andere Landstriche nicht hatten, da wurden die Obersten dann schon etwas spendabel.


T: Sag mal, ich war aber keine Priesterin, als ich dann in Anu ankam, oder?

H: Nein, nicht direkt. Du hattest deinen genauen Weg noch nicht eingeschlagen. Es hatte auf dein Umfeld so gewirkt, als wartest du noch auf etwas, hehe. Deine Eltern hatten genug Geld, um dich mit ein paar Talern auf die Reise zu schicken. Wie es damals so üblich war, hast du dich einigen reisenden Händlern angeschlossen, die den Bereich kannten und die Kunde von Anu auch in deine Gegend getragen hatten. Da deine Eltern diese Leute gut kannten (von so etwas hing damals schließlich deine Existenz ab), gaben sie deinem Flehen nach und gaben dich in ihre Obhut, bis du in Anu eintreffen würdest. Der Rest ist Geschichte, wie man so herrlich sagt.

T: Ich habe eben schon wieder an allem gezweifelt, was ihr von mir und dem Schiff erzählt. Himmel.


H: Und ich kann dir nur sagen: Was ganz genau hätten wir davon, wenn wir dir Unwahrheiten erzählten? Meinst du, wir würden die wenige Zeit, die wir in deinen Ohren verbringen, mit so etwas verschwenden? Mit Fantastereien? Wie wäre unserer Sache damit gedient? Da wir keinerlei Interesse an deiner Ego-Energie haben – eher im Gegenteil – nützt es uns überhaupt nichts, wenn du dich durch diese Geschichte erhaben und wertvoll fühlst. Nur Wesen, die von Allem-was-ist abgekoppelt sind, haben solche Interessen, denn sie können sich hervorragend von Ego-Energie ernähren. Wahlweise blasen sie deines daher auf oder erniedrigen dich. Bei beiden Vorgängen fällt dann etwas für sie ab, energetisch. Das klingt für eure Ohren paradox, ich weiß. Darüber sollen andere tiefergehend mit dir sprechen.


Ich sage nur: Es macht für uns hohe Wesen ABSOLUT keinen Sinn, dir Dinge zu erzählen, die jenseits aller Realitäten liegen. Wir könnten die Zeit ja auch mit wichtigeren Worten füllen, und davon gibt es immer genug! Jedoch muss jedes Channel sich in seiner Tiefe (er-)kennen, denn sonst fehlt das umfassende Verständnis. Also müssen wir einen Teil unserer Zeit darauf verwenden, sonst setzen wir viel aufs Spiel. Und ganz nebenbei wünschen wir uns ja auch, dass ihr euch umfassend selbst erkennt. Alle natürlich, nicht nur unsere Boten und Channels. Doch jetzt geh in deinen Abend, wir haben schon wieder ganz schön lange geredet.

T: Danke dir, wie immer. Ganz besonders für den letzten Absatz. Ich übe mich darin, das alles anzunehmen. Aber es fällt naturgemäß schwer.

H: Es wird sich in deine Realität einfügen. Ganz gemächlich. Mehr hat niemand verlangt. Gute Nacht.

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